Höherer Umsatz, mehr Neugründungen, niedrigere Verluste - die deutsche Biotechnologie steht laut einer neuen Studie passabel da. Doch vielen Firmen könnte bald das Geld ausgehen, weil sich Wagnisfinanzierer zurückziehen.
Auf den ersten Blick schlägt sich die deutsche Biotechnologie-Industrie in der Wirtschaftskrise wacker: Ende 2008 zählte die Branche laut Biotechnologie-Report von Ernst & Young 402 Unternehmen - nur eines weniger als im Vorjahr. 21 Firmen wurden neu gegründet, acht mehr als 2007. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 2 % auf über 10 500. Die Erlöse der Firmen legten sogar um 6 % zu und liegen nun bei 1,068 Mrd. € Gleichzeitig sanken die Verluste um 12 % auf 588 Mio.
Tatsächlich steht die Branche aber vor einer Bewährungsprobe. Denn in der Rezession wird das Kapital knapp. Die Eigenkapital-Finanzierung der deutschen Biotech-Branche ist im Jahr 2008 um fast 50 Prozent eingebrochen. Mit insgesamt 247 Millionen Euro wurde nur das Niveau der mageren Jahre 2002 und 2003 erreicht. Die gute Entwicklung der letzten beiden Jahre droht durch deutliche Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Unternehmen ins Stolpern zu geraten. Überstehen zu wenige Firmen die aktuelle Krise, fällt die Branche als Treiber künftigen Wachstums für die Volkswirtschaft aus.
Die öffentliche Meinung und anscheinend auch die Politik kümmern sich um Opel, Arcandor und andere Großunternehmen, deren Finanzprobleme durch die gegenwärtige Krise offensichtlich wurden, ursächlich aber nichts damit zu tun haben.
Marktwirtschaft ist das erfolgreichste Wirtschaftssystem, weil ständig ein Transfer von überholten in zukunftsweisende Strukturen stattfindet. Dabei sind Krisen Chancen, weil sie notwendige Veränderungsprozesse beschleunigen. Aufgabe der Politik in einer sozialen Marktwirtschaft ist es, von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen zu helfen. Doch auch in einem Wahljahr darf dies nicht dazu führen, dass der Staat mit dem Argument, möglichst viel Arbeitsplätze erhalten zu wollen, Milliarden in alte und überkommene Strukturen investiert.
Betrachtet man die Automobilbranche, so fallen die weltweit gewaltigen Überkapazitäten sofort ins Auge. Rund ein Drittel aller neu produzierten Autos wandern auf die Halde. Wenn ein Unternehmen mit Staatshilfe gerettet wird, müssen Konkurrenzunternehmen entsprechend mehr Arbeitsplätze abbauen, das Problem wird so lediglich umverteilt, niemals gelöst. Der plötzliche Tod eines Unternehmens wird dank der Steuergelder in langsames Siechtum umgewandelt; eine sinnvolle Investition sieht anders aus! Es kann nicht sein, dass drohende Arbeitslosigkeit die Begründung liefert, mit Steuermilliarden Unternehmen zu retten, die der Markt nicht mehr braucht.
Der jährliche Kapitalverbrauch der deutschen Biotech-Firmen, die sich auf die Medikamenten-Entwicklung fokussieren, liegt bei durchschnittlich 5,6 Millionen Euro. Auf dieser Basis lässt sich ein jährlicher Kapitalbedarf von rund 260 Millionen Euro für alle 46 Venture-Capital-finanzierten deutschen Medikamenten-Entwickler ermitteln.
Soll der Staat jetzt, wo das Geld knapp ist, einspringen und in mehrfacher Hinsicht profitieren? Neue, hochwertige Arbeitsplätze, gute Renditen für eingesetztes Kapital, hohe Steuereinnahmen bei zukünftigen Gewinnen? Hier wären Steuergelder bestens angelegt!
Frankreich will die Biotechnologie über den neuen Strategischen Investitionsfonds FSI fördern, der zusammen mit Pharmakonzernen wie Sanofi-Aventis 100 bis 150 Millionen Euro für Investitionen in 400 mittelständische Biotech-Firmen bereitstellen will. Gefördert wird die Entwicklung in den Bereichen Onkologie, Impfstoffe und Immuntherapie. ...mehr
Der Darmstädter Pharmakonzern Merck stößt mit seinem im März aufgelegten Wagniskapitalfonds Merck Serono Ventures auf großes Interesse. ...mehr
Die aktuelle Studie Drug Discovery and Biotechnology in Germany der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und des Arbeitskreises BioRegionen bescheinigt dem Pharmastandort Deutschland gute Noten. Dabei erweist sich die Biotechnologie als wichtiger Entwicklungspartner der Pharmabranche. ...mehr
Das weltweit größte Internetunternehmen Google stockt seinen Anteil am US-amerikanischen Biotech-Start-up 23andMe um 2,6 Mio. Dollar auf. ...mehr