Sonntag, 20.05.2012

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DNA – Selbsttest für jedermann

Der Blick in die Zukunft kostet nicht einmal 1000 Dollar. Für diesen Preis bieten mehrere Firmen Gen-Selbsttests an, um genetische Veranlagungen für Krankheiten wie z.B. Diabetes nachzuweisen. Die Ergebnisse werden den Probanden oft in sog. streng geschützten Online-Bereichen zur Verfügung gestellt.

DNA-Selbsttests sind ein neuer Verkaufsschlager der Biotech-Branche und werden über das Internet für jedermann angeboten. Der Markt ist heiß umkämpft, mittlerweile werden mindestens 13 Anbieter gezählt. Wer wissen will, ob er eine erbliche Veranlagung für Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs hat oder seine persönliche Ahnenforschung professionalisieren will, muss bei der isländischen Firma deCODE lediglich einen Wattetupfer mit einer Speichelprobe einsenden und 985 Dollar überweisen. Die Firma analysiert die Probe und stellt das Ergebnis Online – natürlich „streng geschützt“ und nur für den Einsender zugänglich. Ist das Verfahren aber wirklich sicher? Was passiert, wenn jemand missbräuchlich die DNA einer anderen Person einsendet?

Sogar geschmackliche Veranlagungen werden bestimmt

Einen ähnlichen Test bietet auch die kalifornische Firma 23andMe an. Für 999 Dollar bestimmt 23andMe Brustkrebsrisiko, Vererbungen und auch Anlagen für die Empfindung bestimmter Geschmacksrichtungen (Kann ich Bitteres besser schmecken als andere?). Der 23andMe-Test analysiert Variationen von 580.000 bestimmten Basenpaaren. Der deCODE-Test kommt sogar auf eine Million Basenpaare und weist Erbanlagen für etwa 20 Krankheiten und genetische Neigungen nach. Etwas teuerer ist die Untersuchung bei Navigenics. Die Firma verlangt 2.500 Dollar, teilt dafür aber das Testergebnis nicht Online sondern telephonisch durch einen „persönlichen genetischen Berater“ mit.

Wem nützt der Blick in die Zukunft?

Ist der versprochene Blick in die Zukunft wirklich sinnvoll? Die Möglichkeit, dass der Test eine genetische Veranlagung für eine bestimmte Krankheit nachweist, ist bei jedem von uns gegeben. Ein absolut fehlerfreies Erbgut gibt es wahrscheinlich nicht – in dem Moment, in dem man nun aber von einer Veranlagung für eine bestimmte Erkrankung erfährt, ändert sich das ganze Leben. Wer macht sich keine Sorgen, wenn er im Internet liest, dass er ein besonders großes Herzinfarktrisiko hat? Die Gefahr, dass der Test verrückt macht und dadurch zum Problem wird, ist groß. Doch auch beim Nachweis einer genetischen Veranlagung für eine bestimmte Krankheit, bricht die Krankheit nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit aus, der Befund bringt aber alle Personen mit dieser Veranlagung definitiv um ihre Ruhe und zerstört Lebensqualität.

Noch Jahre nach Absenden des Wattetupfers drohen weitere Schreckensnachrichten

Auch Personen mit einem unbedenklichen Befund sind vor künftigen Überraschungen nicht sicher: Die kundenorientierte Firma 23andMe, die übrigens der Ehefrau eines Google-Gründers gehört, denkt gar nicht daran, die DNA-Datensätze nach der Analyse zu löschen. Sie bleiben im Computer und werden regelmäßig mit den neuesten Forschungsergebnissen upgedated. Etwaige neue Ergebnisse werden dem Einsender passwortgeschützt online mitgeteilt.

Deutschland: Gentests bei der Einstellung werden verboten

Die schöne neue Weilt der Gentests wird jedoch von einigen Ländern schon wieder infrage gestellt. Vorreiter ist der westliche US-Bundesstaat Kalifornien, wo die Hersteller-Firmen nachweisen müssen, dass ihre Angebote dem kalifornischen Recht entsprechen und eine Zertifizierung gefordert wird. Auch in Deutschland tritt der Gesetzgeber auf die Bremse: Nach dem vorliegenden Gendiagnostikgesetz-Entwurf dürfen Arbeitgeber von ihren Angestellten und Versicherungen von ihren Kunden grundsätzlich keine genetischen Untersuchungen verlangen. Allerdings sollen Versicherungen bereits bekannte Gen-Befunde verwenden dürfen, wenn die Versicherungssumme 300.000 Euro übersteigt.


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