eHealth und Telemonitoring können die Medizin schon morgen effektiver machen. Die Bausteine zur Entwicklung zeit- und kostensparender, vor allem aber auch patientenfreundlicher Therapiesysteme sind heute bereits vorhanden.
Vor kurzem schilderten wir die Erfahrungen des Patienten Klaus K. mit seinem Arzt und einer nicht diagnostizierten Lungenembolie unter der Überschrift Dank Dr. Google noch mal gut gegangen. Heute folgt die Fortsetzung, in der Klaus K. weitere Erfahrungen mit der real existierenden Spitzenmedizin macht. (Der Fall ist authentisch, der Name des Patienten wurde geändert, alle Patientenunterlagen wie, Diagnosen, Arztberichte etc. liegen vor.)
Da der Quickwert ohne erkennbaren Zusammenhang mit der Ernährung oder den Lebensgewohnheiten stark schwankt, werden Quickwert- Messungen im Drei-Tages-Rhythmus notwendig. Klaus K. muss alle drei Tage für eine Blutabnahme im überfüllten Wartezimmer Platz nehmen. Am nächsten Tag folgt ein Telefongespräch mit dem Arzt, um die Dosis für die kommenden Tage festzulegen. Die Intervalle werden bald auf eine Woche, nach zwei Monaten auf zwei Wochen verlängert. Nach vier Monaten genügte eine Kontrolle alle drei Wochen...
An die von der Uniklinik empfohlene Computertomographie nach einem halben Jahr muss Klaus K. seinen Hausarzt erinnern. Tumore, vor allem im Bauchraum, können die Blutgerinnung beeinflussen und so Auslöser von Thrombosen und Embolien sein. Deshalb war bereits während des Klinikaufenthalts ein Tumor-Screening durchgeführt worden. Das sollte wiederholt werden, außerdem ist die Tumorgefahr in der Lunge durch die Schädigung des Gewebes nach der Embolie erhöht. Schließlich gibt die CT Auskunft, ob noch Reste des Thrombus in der Lunge vorhanden sind. Klaus K. hatte Glück: Lungenembolie nicht mehr nachweisbar. Damit ist das Ende der zeitintensiven Betreuung absehbar: Marcumar-Therapie ausschleichen, dann nur noch engmaschige D-Dimer-Messungen, die, falls sich erneut ein Thrombus bildet, Hinweise liefern.
Quickwert-Messungen werden bei lebenslanger Therapie vom Patienten zu Hause eigenständig durchgeführt. Das hätte Klaus K. auch gekonnt. Ein entsprechendes Programm könnte die richtige Dosis festlegen, Korrekturen in der Therapie durchführen und rechtzeitig warnen, wenn das Therapiefenster verlassen wird. Es könnte Patienten und behandelnde Ärzte automatisch an empfohlene Nachuntersuchungen erinnern und so Sicherheit geben. Diätempfehlungen und vieles mehr könnten in einem solchen Programm enthalten sein.
So würde der Zeitaufwand für Patient und Arzt gewaltig reduziert, ganz zu schweigen von der Infektionsgefahr in überfüllten Wartezimmern und den Arbeitsausfallzeiten. Der Gewinn für Krankenkassen und alle anderen Beteiligten ist greifbar – denn alle, diesen Therapieprozess optimierenden Bausteine gibt es bereits.
Die hier, am Beispiel der Thromboembolie-Nachsorge beschriebenen Systeme, wären nicht nur effiziente Marketinginstrumente für viele Arzneimittel. Ein handfester Mehrwert für Patienten, Ärzte und Krankenkassen – letztendlich für die gesamte Volkswirtschaft – ist heute schon bei vielen Langzeittherapien durch intelligente Therapiesysteme leicht zu realisieren.