Sonntag, 20.05.2012

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Krebsrisiko durch Stammzellentransplantation

Transplantierte neurale Stammzellen können zur Entwicklung von ZNS-Tumoren führen. Bei einem israelischen Kind wurden vier Jahre nach der Behandlung mehrere langsam wachsende Tumore in Gehirn und Rückenmark nachgewiesen.

Embryonale Stammzellen eignen sich potenziell zur Behandlung vieler neurologischer Krankheiten, weil ihre weitere Entwicklung noch nicht festgelegt ist und aus ihnen zahlreiche Zellarten gebildet werden können. Diese Pluripotenz ist jedoch auch der Grund für Bedenken gegen diese Therapie. Das langfristige Entwicklungspotential der Zellen lässt sich schwer vorhersagen und sie könnten sich zur Ausgangsbasis für gut- und bösartige Neubildungen entwickeln.

Wie berechtigt diese Sorgen sind, zeigt das Bespiel eines israelischen Jungen mit Ataxia teleangiectasia. Diese, durch einen Gendefekt verursachte seltene neurodegenerative Erkrankung manifestiert sich schon im Kindesalter und betrifft in erster Linie das Kleinhirn. Außerdem besteht eine Immunschwäche. Das Kind hatte schwere neurologische Defizite und benötigte wegen starker motorischer Beeinträchtigungen einen Rollstuhl. Zwischen dem 9. und 12. Lebensjahr wurden dem Jungen auf Veranlassung der Eltern in einer russischen Klinik mehrere Male neurale Stammzellen injiziert.

Ein Jahr später klagte der Patient über häufig wiederkehrende Kopfschmerzen. Bei einer Magnetresonanztomographie wurde eine Gehirnläsion, die leicht auf das Stammhirn drückte, und eine weitere Läsion am Ende des Rückenmarks entdeckt. Weitere MRT-Untersuchungen wiesen eine langsame Wachstumstendenz der Läsionen nach. Eine operative Entfernung des Rückenmarkstumors erfolgte als der Patient 14 Jahre alt war, dabei wurden mehrere zusätzliche Satellitentumoren an Nervenwurzeln beobachtet. Die histologische Untersuchung des entfernten Gewebes ergab einen glioneuralen Tumor.

Molekularbiologische Untersuchungen belegten eindeutig, dass der Tumor von den transplantierten Zellen zweier Spender abstammte. Er enthielt weibliche und männliche Zellen ohne den Ataxia teleangiectasia-Gendefekt.

Postoperativ blieb der Zustand des Patienten stabil. Der intrakraniale Tumor wuchs jedoch weiter und verdoppelte innerhalb von 2 Jahren seine Masse, so dass der Druck auf das Stammhirn zunahm. Wegen der starken Chemotherapie- und Radio-Empfindlichkeit von Patienten mit Ataxia teleangiectasia und der Histologie des Tumors wurde entschieden, konservativ zu therapieren und nur bei zwingender Indikation zu operieren.

Die Autoren vermuten, dass die mit der Ataxia teleangiectasia assoziierte Immunschwäche die Tumorentstehung begünstigt haben könnte. Sie betonen, dass die hier beschriebenen Erfahrungen nicht zur Beendigung der Stammzellforschung führen sollten – vor allem für die Sicherheit der Patienten sind intensive Forschung zur Biologie von Stammzellen aber auch vertiefende klinische Studien erforderlich. Nur so kann der potentielle Nutzen der Stammzelltherapie bei minimalen Risiken genutzt werden.

Quelle: Amariglio N, Hirshberg A, Scheithauer BW, Cohen Y, Loewenthal R, et al. (2009) Donor-Derived Brain Tumor Following Neural Stem Cell Transplantation in an Ataxia Telangiectasia Patient. PLoS Med 6(2): e1000029. doi:10.1371/journal.pmed.1000029


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