Pharma- und Biotech-Unternehmen melden für 2009 trotz Krise steigende Umsätze. Das ist nicht wirklich überraschend, denn der Gesundheitsmarkt entwickelt sich seit jeher unabhängig von Konjunkturverläufen; die Menschen werden eben auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten krank. Aber die öffentlichen Kassen sind durch geringere Steuereinnahmen und die hohen Einsätze zur Rettung des Finanzsektors geleert. Dies wird zu einem Kostendruck auf den weitgehend öffentlich finanzierten Gesundheitssektor führen.
Die Studie der Unternehmensberatung Capgemini – Life Sciences: Performing in the Downturn and Beyond – prognostiziert sinkende Arzneimittelpreise. Darüber hinaus verliert eine große Zahl verkaufsstarker Präparate in 2012 den Patentschutz. Umsätze in Höhe von 100 Milliarden Euro sind bedroht. Capgemini empfiehlt für die Life Sciences Unternehmen radikale Kostensenkungsprogramme und eine tiefgehende Transformation:
Kooperationsmodelle zwischen akademischer und betrieblicher Forschung Industrie und Krankenkassen sowie zwischen Industrie, Ärzten und Kliniken.
Wie derartige Kooperationsmodelle funktionieren und wie dabei nachhaltige Verbesserungen für alle Beteiligten entstehen können, zeigt die folgende Fallstudie.
In 2009 erlebte die deutsche Medizintechnologie ein Wachstum von knapp vier Prozent; dabei wurden rund 4200 neue Arbeitsplätze geschaffen. Mit etwa 175.000 Beschäftigten ist sie noch ein kleiner, aber stark wachsender und innovativer Wirtschaftszweig. Trotz des sich verschärfenden Preisdrucks bleibt die Mehrheit der Unternehmen langfristig optimistisch.
Immer mehr alte Menschen brauchen immer mehr Gesundheitsdienstleitungen. Fortschritte in Diagnose und Therapie verlängern das Leben, teilweise mit kostenintensiver Dauerbehandlung. Dem gegenüber stehen begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten; nicht umsonst begleitet uns das Thema „Kostendämpfung im Gesundheitswesen“ seit Jahrzehnten.
Und genau hier bietet die Medizintechnologie Lösungen an, die sich durchsetzen werden: Therapie-Systeme, die Fortschritte für die Patienten bringen, Vereinfachungen für Ärzte und Einsparungen für die Kassen. Derzeit haben viele Unternehmen jedoch Schwierigkeiten, ihre fortschrittlichen Produkte in der Flächenversorgung zu etablieren. Es fehlen geregelte Rahmenbedingungen für die Kassenerstattung. So haben die in der Regel kleinen Unternehmen selten das nötige know how und die Manpower, die Erstattungsfähigkeit ihrer Innovationen in akzeptabler Zeit zu erreichen.
Ein prägnantes Beispiel beschrieb das Handelsblatt bereits im letzten Sommer: Ein telemedizinisches Frühwarnsystem für Träger eines Herzschrittmachers, der neben verbesserter Sicherheit für den Patienten nachweislich die Zahl der Krankenhauseinweisungen halbiert und damit erhebliche Kosten einspart, hat bisher nur geringen Absatz gefunden. Ohne Kostenerstattung fehlt der Anreiz für die Kliniken, denn sie zahlen die höheren Anschaffungskosten und die Einsparungen kommen nur den Kassen zugute.
Um das Einsparpotenzial der Technik zu beweisen, legte Medtronic vor drei Jahren mit der Gmünder Ersatzkasse (GEK) eine Studie auf, in der die Versorgungskosten bei Schrittmacher-Patienten mit und ohne Frühwarnsystem verglichen wurden. Das Ergebnis war eindeutig: Durch eine Kostenersparnis von mehreren Tausend Euro wird die Investition für die neue Technik schon im ersten Jahr nahezu amortisiert.Nun verhandelt die Firma mit der GEK über einen Versorgungsvertrag. Der Schulterschluss mit den Krankenkassen, wie ihn das Unternehmen Medtronic hier praktiziert hat, liegt im Trend. In Zukunft wird es immer mehr Kooperationen zwischen Herstellern, Krankenkassen und Kliniken geben. Immer mehr Unternehmen werden den engen Dialog mit öffentlich rechtlichen Entscheidungsträgern der Gesundheitswirtschaft suchen.
Bei fehlendem Know how oder zu geringer eigener Kapazität können derartige Systeme und Kooperationen durch Beratungsunternehmen, die sich auf die Zulassung bei Behörden und die Kostenerstattung durch Kassen spezialisiert haben, entwickelt und administriert werden.
Nicht nur Unternehmen der Medizintechnologie werden in Partnerschaft mit Krankenkassen und Kliniken Therapiesysteme entwickeln. Gerade für die Arzneimittelindustrie liegt die Zukunft im Trend zu interdisziplinärer Vernetzung und Systembildung. Der Weg aus der nun schon seit Jahrzehnten andauernden Krise des Gesundheitssystems kann nur gemeinsam gegangen werden.