Sonntag, 20.05.2012

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Monoklonale IgE-Antikörper Eine neue Wunderwaffe gegen Krebs?

Experimentell lassen sich Krebszellen durch IgE-Antikörper sehr effektiv bekämpfen: In vitro stimulierte IgE-Trastuzumab die Mastzellen wie bei einer allergischen Reaktion und löste eine massive Attacke gegen menschliche Brustkrebszellen aus.

IgE-Antikörper binden sich bei Allergien an die Allergene und mobilisieren das Immunsystem. Dabei lösen sie auch massive Reaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe aus, so dass die Fremdkörper in überschießender, den eigenen Organismus schädigender Weise bekämpft werden. Heuschnupfen und Asthma sind die bekannten Folgen dieser allergischen Überreaktion.

Positive, physiologische Funktionen der IgE-Antikörper sind noch weitgehend unbekannt. Möglicherweise spielen sie aber bei der Krebsabwehr eine wichtige Rolle. Dafür spricht das Ergebnis einer großen epidemiologischen Studie aus den USA, die ergab, dass Allergiker ein geringeres Krebs-Risiko haben als Nicht-Allergiker.

IgEs effektiver als IgGs?

Jetzt untersuchten Forscher in London und Wien die Eignung von IgE-Antikörpern für die Tumor-Behandlung genauer: Mit Hilfe von Mäusen wurden IgE-Antikörper gegen ein Brustkrebsprotein produziert. Diese IgE-Antikörper wurden in vitro an Mastzellen gebunden, die mit menschlichen Mammakarzinom-Zellen zusammengebracht wurden. Wie erhofft, erkannte der Antikörper die Karzinomzellen und veranlasste die Mastzellen – wie bei einer allergischen Reaktion – massiv Zytokine auszuschütten. In verschiedenen, vergleichenden Versuchen konnte außerdem gezeigt werden, dass der IgE-Antikörper effektiver gegen die Tumorzellen wirkte als ein vergleichbarer IgG-Antikörper.

IgEs könnten aus mehreren Gründen effektiver sein:
Die heute therapeutisch verfügbaren IgGs funktionieren im Blutkreislauf am besten. Tumore entwickeln sich jedoch meist im Gewebe, wo sie von IgGs aber nur schlecht erreicht werden. Die Konzentration der IgEs im Blut ist zwar minimal, sie werden jedoch aktiv in das Gewebe abgesondert, wo sie mit hoher Affinität an die Rezeptoren der Effektor- und Antigen-präsentierenden Zellen gebunden werden. Außerdem beträgt die Halbwertszeit der IgE-Antikörper im Gewebe etwa 2 Wochen, während die der IgGs nur 2-3 Tage beträgt.

Ist IgE-Trastuzumab wirksamer gegen Brustkrebs?

Der wirtschaftlich erfolgreiche HER-2-Antagonist Trastuzumab (ein IgG) wurde jetzt im Labor mit seiner IgE-Variante verglichen: IgE-Trastuzumab zerstörte die Krebszellen auf einem anderen Weg als das IgG. Während das IgG sich an die Zielzellen bindet, um sie dann mit Hilfe von Phagozyten zu zerstören, schickte das IgE die Karzinomzellen mit Hilfe von Monozyten in die Apoptose, den programmierten Zelltod. Darüber hinaus zeigte das Experiment, dass IgE-Trastuzumab Effektorzellen zu den Tumorzielzellen hinleitet.

Wie effektiv IgE-Antikörper in der klinischen Praxis sein werden, lässt sich aus diesen Beobachtungen noch nicht ableiten. Auch die Frage der Sicherheit ist bisher nicht geklärt. Die Forscher möchten deshalb als nächsten Schritt das IgE-Trastuzumab bei Hunden mit Brustkrebs anwenden, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch nachzuweisen. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss dieser und weiterer Tests wollen sie die neue Substanzklasse in randomisierten klinischen Studien untersuchen.

Für die Durchführung dieser Experimente und anschließende, sehr aufwändige klinische Studien benötigen die Forscher Partner der pharmazeutischen Industrie. Wann die Forschung fortgesetzt werden kann, ist derzeit offen, weil die Industrie sich wegen des nicht unerheblichen Entwicklungsrisikos mit Kooperationsangeboten zurück hält. IgE-Antikörper könnten Krebszellen durch die Auslösung einer allergischen Reaktion zwar erfolgreich bekämpfen – jedoch kann heute niemand sagen, wie gefährlich eine derartige Therapie ist.

Quelle: Karagiannis P et al. Characterisation of an engineered trastuzumab IgE antibody and effector cell mechanism targeting HER2/neu-positive tumour cells. Cancer Immunol Immunother 2009; 58: 915-930


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