Nach neuen Forschungsergebnissen sind Veränderungen der SHOX-Regulator-Gene eine häufige Ursache des Kleinwuchses. Trotz normalem SHOX-Gen ist das Wachstum vermindert, wenn es durch defekte Regulator-Gene zu einer Fehlsteuerung der SHOX-Funktion kommt.
Bei den meisten Patienten mit Wachstumsstörungen lassen sich keine spezifischen Gen-Mutationen nachweisen. Eine Ausnahme sind Defekte des SHOX-Gens auf dem X-Chromosom, die bei Leri-Weill- oder Turner-Syndrom relativ häufig sind und auch bei idiopathischem Kleinwuchs auftreten.
Heidelberger Wissenschaftler untersuchten jetzt, ob es auch bei normalem SHOX-Gen aufgrund von Funktionsstörungen von SHOX-Verstärker-Genen zum Kleinwuchs kommen kann.
In einer Studie wurden die genetischen Strukturen von 735 Personen mit idiopathischem Kleinwuchs, 58 mit Leri- Weill-Syndrom und 100 mit normaler Körpergröße bestimmt. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die pseudoautosomale Region der X- und Y-Chromosomen, in der SHOX-Regulator- Gene vermutet werden. Dieser Bereich enthält bei beiden Geschlechts-Chromosomen die gleichen Gene.
Obwohl viele Mutationen sehr weit vom SHOX-Gen entfernt lagen, verursachten sie oft dieselben Symptome wie direkte Defekte des SHOX-Gens.
Die Autoren schlussfolgerten, dass Veränderungen der SHOX- Regulator-Gene eine relativ häufige Ursache von Wachstumsstörungen sind. Betroffen sind sowohl Patienten mit Leri-Weill-Syndrom als auch Patienten mit idiopathischem Kleinwuchs. Den Regulator-Genen kommt bei der Verbesserung der Kleinwuchs-Frühdiagnose eine entscheidende Bedeutung zu. Immerhin erreichen die Kinder bei rechtzeitiger Diagnose des Kleinwuchses und frühem Therapiebeginn mit Wachstumshormonen eine fast normale Körpergröße.
Quelle: Chen J, et al. Enhancer mutations of the SHOX gene as a frequent cause of short stature – the essential role of a 250 kb downstream domain. J Med Genet 2009, July 2, [Epub ahead of print]