Schaden hohe Vitamin C- und E-Dosen mehr als sie nutzen? Antioxidantien inaktivieren freie Radikale und senken die Insulinempfindlichkeit. Sie machen die gesundheitsfördernde Wirkung von Sport so möglicherweise zunichte.
Körperliche Bewegung und Sport aktivieren die Zellatmung in den Mitochondrien und fördern dadurch die Bildung freier Sauerstoffradikale, die natürliche Nebenprodukte der mitochondrialen Energiegewinnung sind. Antioxidantien wie Vitamin C und E fangen diese Radikale ab und – so glaubte man bisher – verhindern so gewebeschädigende Effekte dieser Substanzen.
Prof. Michael Ristow von der Jenaer Universität widerspricht der These, dass Sauerstoff-Radikale per se schädlich sind. Der Thüringer Forscher nimmt an, dass die beim Sport in größeren Mengen gebildeten Radikale benötigt werden, um die körpereigene Abwehr gegen Radikale zu stimulieren. Antioxidantien hemmen jedoch die physiologische Bildung freier Radikale und verhindern so den Effekt auf die körpereigene Abwehr.
Darüber hinaus beobachtete Prof. Ristow in einer Studie positive Wirkungen von freien Radikalen auf den Blutzuckerspiegel. Die Studie schloss 40 Probanden im Alter von 25 bis 35 Jahren ein, die an einem vierwöchentlichen Sportprogramm teilnahmen (5 Sitzungen á 85 Minuten pro Woche, je 20 trainierte und untrainierte Personen). Zu diesem Training erhielten die Probanden randomisiert Antioxidantien (500 mg Vitamin C zweimal täglich plus 400 mg Vitamin E einmal täglich) oder keine Vitamintherapie. Bei Studienbeginn und nach vier Wochen wurden Genexpression sowie eine Reihe von Laborparametern (u.a. Plasmaglucose und Plasmainsulin) bestimmt, um die Interaktionen zwischen Antioxidantien und dem Effekt der Bewegung zu untersuchen.
Wie erwartet aktivierte die körperliche Bewegung die Mitochondrienaktivität stark und steigerte bei Probanden, die keine Antioxidantien erhielten, die Bildung freier Sauerstoffradikale. Gleichzeitig nahm die Expression von Genen zu, die die Insulinsensitivität regulieren. Diese Zunahme wurde bei untrainierten und trainierten Probanden der Kontrollgruppe in gleicher Weise beobachtet. Die Antioxidantientherapie verhinderte dagegen sowohl bei trainierten als auch bei untrainierten Probanden die Verbesserung der Insulinsensitivität.
Die Studie lieferte – so die Schlussfolgerung von Prof. Ristow – wichtige Belege für einen, die Insulinresistenz senkenden Effekt von Sauerstoff-Radikalen, die bei sportlicher Betätigung gebildet werden. Vorübergehender oxidativer Stress könnte so eine wichtige Rolle bei der Prävention von Typ 2-Diabetes spielen. Die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C oder E unterbindet diese positive Wirkung. Wahrscheinlich erhöhen Antioxidantien sogar das Diabetesrisiko.
Diese Beobachtungen sprechen aber nicht gegen den Verzehr von Obst und Gemüse. Obst und Gemüse sind gesund, das ist unbestritten. Außerdem können Obst und Gemüse auf keinen Fall durch Vitamintabletten ersetzt werden.
Quelle: Ristow M, et al. Antioxidants prevent health-promoting effects of physical exercise in humans. Proceedings of the National Institute of Science, Epub ahead of print, doi: 10.1073/pnas.0903485106