Experten prognostizieren, dass eHealth den Pharmaunternehmen mittelfristig ernsthaft Konkurrenz machen wird.
Hunderttausende von Patienten nehmen im englischsprachigen Raum mit großen Erfolgen an Programmen teil wie breathe (Raucherentwöhnung), Mood-Gym (Verbesserung von Angstzuständen und Depressionen), shuti (Besseres Ein- und Durchschlafen) oder bgathome (Trainingsprogramm für Diabetes-Patienten).
Der US-Marktführer HealthMedia, der das Programm breathe entwickelt hat, ist vor kurzem vom Pharmaunternehmen Johnson & Johnson gekauft worden.
In Deutschland scheint eHealth weitgehend mit der dahinsiechenden elektronischen Gesundheitskarte identifiziert zu werden. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen Fragen des Datenschutzes und mögliche Einsparpotentiale für die Gesetzlichen Krankenkassen, weniger die individuellen Bedürfnisse von Patienten. Auch die Pharmaunternehmen halten sich merkwürdig zurück. Dabei gibt es hierzulande ein riesiges Potential für elektronische Gesundheitsprogramme. Die OECD rechnet für die kommenden Jahre mit einem überdurchschnittlichen Wachstum von jährlich 11% für den Markt mit elektronischen Gesundheitsleistungen.
Die Situation erinnert an die 80er Jahre: Als in Deutschland der Markt für Nachahmerprodukte durch die vielfältigen Kostendämpfungsgesetze plötzlich hohe Zuwachsraten aufwies, überließ die forschende Pharmaindustrie dieses Geschäft zunächst den Generikafirmen, die Gewinnmargen waren einfach zu gering. Als nach kurzer Zeit Nachahmer wie Ratiopharm oder Hexal in die Top Ten der Deutschen Pharmaliga aufstiegen, kam die Kehrtwende: Plötzlich gründeten oder kauften praktisch alle renommierten Pharmaunternehmen eigene Generika- Linien. Wenig erfolgreich, weil nur halbherzig betrieben, wurden diese bald wieder aufgegeben oder verkauft. Heute gehört dieser riesige Markt den Generikafirmen der ersten Stunde oder klassischen Pharmaunternehmen wie Novartis, die von Anfang an nachhaltig und konsequent ihre Generika-Linien entwickelt und ausgebaut haben.
Oder einige Jahre später der Biotech Boom. Nachdem die forschenden Pharmaunternehmen es größtenteils verpasst hatten, eigene Biotech- Einheiten aufzubauen, setzte man auf Kooperationen mit externen Biotech-Unternehmen. Diese Zusammenarbeit war anfänglich finanziell ausgewogen und versprach zukünftig große Chancen. Doch Ende der 90er Jahre verging kaum noch ein Tag, an dem nicht eine neue derartige Kooperation gemeldet wurde. Weil die Nachfrage so hoch war, musste man horrende Summen bezahlen, zum Teil für Projekte, deren Erfolgs- Chancen kaum höher lag als beim Black Jack im Spielkasino. Die Blase der New Economy platzte mit dem Börsencrash im Jahre 2000. Wieder hatten nur die Firmen gewonnen, die sich früh und gründlich mit Chancen und Risiken auseinander gesetzt hatten.
Fast scheint es heute so, als würde der durch den Siegeszug des Internet entstandene Markt für elektronische Gesundheitsleistungen den Internetprovidern überlassen. Längst arbeiten Microsoft, Google und Co. an entsprechenden Gesundheitsportalen. Dabei haben eigentlich die Pharmaunternehmen das Know How, um in Zusammenarbeit mit IT- und Kommunikationsdienstleistern Therapiesysteme, die optimal auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind.
Wer hier als erster Maßstäbe setzt, öffnet sich einen Zukunftsmarkt.