Sonntag, 20.05.2012

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Glocalism 2.0

Längst lassen Internet, Billigflieger und Hochgeschwindigkeitszüge Entfernungen in vielfacher Weise verschwinden und schrumpfen. Kontinente und Konsumenten rücken zusammen, Gegensätze werden zu Gemeinsamkeiten.

Vorhersagen, dass die Welt immer kleiner wird und sich zu einem globalen Dorf wandelt, scheinen sich zu bewahrheiten. Trotz kultureller Unterschiede werden überall auf der Welt Bücher wie "Harry Potter" oder "The Davinci Code" mit der gleichen Leidenschaft gelesen. Auch "Quiet Partys", Partys, bei denen Szenegänger nicht miteinander sprechen und statt dessen zu Zettel und Stift greifen, wenn sie miteinander flirten wollen, findet man in Berlin, Bangkok und Budapest.

Doch schaut man genauer hin, entdeckt man interessante Veränderungen: World-Nation Marken wie Benetton, McDonalds und Coca Cola, bekommen Konkurrenz von neuen globalen Marken wie Starbucks, Nokia, Zara, Ebay oder Myspace, die für eine Art Remix-Culture stehen: Sie verbinden geschickt globale und lokale Einflüsse miteinander, kombinieren Neues und Altes und mixen traditionelle mit modernen Elementen.

Längst ist das Remix-Prinzip über die Mode und Musik hinaus zu einem globalen Phänomen und Erfolgsmodell geworden.

Statt auf Gleichmacherei setzt man auf Gemeinsamkeiten, anstelle einheitlicher Standards treten einzelne Elemente, die weltweit sehr unterschiedlich ausfallen können. So teilte VW jüngst mit, dass man künftig nicht mehr alle Modelle überall anbieten, sondern spezielle Autos für China, Russland und Amerika bauen werde.

Was hier passiert, lässt sich bereits länger in anderen Bereichen beobachten: Hippe Charity-Armbänder aus buntem Gummi werden beispielsweise weltweit getragen, um Geld für gemeinnützige oder wohltätige Zwecke zu sammeln, je nach Kontinent und Land aber für einen anderen Zweck. In London beispielsweise, um zu zeigen, dass man gegen Rassismus und Tyrannei ist, oder dass man die "Make Poverty History"-Kampagne des U2-Sängers Bono unterstützt. In Mexiko City dagegen signalisiert ein pinkfarbenes Band, dass man eine Kampagne zur Brustkrebs-Vorsorge unterstützt, ein weißes, dass man gegen Kidnapping protestiert. Auch in Dubai trägt man die farbenfrohen Armreifen. Die meisten von ihnen sind jedoch Fakes und werden weniger aus wohltätigen Gründen gekauft.

Das Prinzip, global zu denken und lokal zu handeln, steht aber vor einer neuen Herausforderung

Die Globalisierung zusammen mit den vereinfachenden und neuen Möglichkeiten des Internets wie Blogging oder kostenlosen Internet-Telefondiensten wie Scype, hat den Fluss von Trends, Informationen und Ideen grundlegend verändert. So entstehen heute viele Trends nicht mehr in den klassischen Trendmetropolen wie New York, London, Tokyo oder Paris, sondern beispielsweise in Hotspots wie Shanghai, Riga oder Kopenhagen. Und ohne Umwege reisen sie von hier aus weiter nach Asien, Europa oder Latein Amerika.

So ortete beispielsweise das internationale Veranstaltungsmagazin "Time Out" kürzlich indische Trends und Einflüsse in vielen unerwarteten Städten: in Mexiko City, wo die größte Buchhandelskette nach Mahatma Ghandi benannt ist, befindet sich unter den Top 5 Ausstellungen eine, in der es um zeitgenössische indische Kunst geht. In Tel Aviv kann man Trendsetter beobachten, die in ethnisch geprägten Textilien im Indian-Style herumlaufen. Und in Städten wie Chicago und Hamburg ist Fusion-Yoga schwer angesagt, beispielsweise in Form von Yogalates oder Yoga mit Gewichten.

Statt Think global, act local heisst es wohl künftig immer häufiger: Research, rethink, readjust and react.
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